
Der Lack auf dem Gitarrenhals ist an einer Stelle schon stumpf gerieben – genau dort, wo mein Zeigefinger beim Gitarre lernen immer wieder andockt.
Vorab der Pflichthinweis: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, du zahlst keinen Cent mehr dafür. Getestet habe ich nur, was ich für meinen eigenen Selbstversuch tatsächlich selbst durchgezogen habe – vom ersten Frust bis zum fertigen Song.
Drei abgebrochene Anläufe liegen hinter mir, bevor ich überhaupt bei YouTube oder einem Online-Gitarrenkurs gelandet bin. Seit zwei Jahren schleppe ich diese Gitarre mehr mit, als ich sie wirklich spiele – und genau deshalb kriege ich ständig dieselben Fragen gestellt: YouTube oder Kurs, und warum ausgerechnet Norberg.
Reicht YouTube allein zum Gitarre lernen für Anfänger?
Die Antwort direkt vorweg: Nein – zumindest nicht, wenn jemand wie ich Struktur braucht wie die Luft zum Atmen. YouTube ist super für einzelne Tricks oder Inspiration zwischendurch, aber als einziger Weg von null zum ersten Lied reicht es bei mir nicht.
Zwischen zwei Akkord-Videos bin ich mal eben bei „Funny Guitar Fails" gelandet, während der Kaffee neben mir kalt wurde und mein Plektrum unbemerkt in der Tasse versank. Frauke, mit der ich seit Jahren Projekte mache, hat nur trocken gefragt, ob ich jetzt hauptberuflich YouTube-Kritikerin werde – kein Trost, nur Fakten, so ist sie halt. Genau in solchen Phasen hab ich mir ständig überlegt, was ich eigentlich gegen den Frust im Selbstversuch tun kann, wenn der Algorithmus mehr Tempo macht als die eigenen Finger.
Das Grundproblem bei freien Videos: Das Tempo springt wild zwischen „super einfach" und „setzt schon alles voraus", ohne roten Faden dazwischen. Notenlesen aus einem dicken Lehrbuch hab ich übrigens auch probiert – nach Seite zwölf hab ich das Buch zugeklappt und nie wieder aufgemacht. Mit Tabs statt Noten komme ich seitdem deutlich weiter, aber das ist nochmal ein eigenes Thema für sich.

Struktur schlägt Chaos
Genau diese Art Frage war es, die mich zum norberg Gitarrenkurs gebracht hat. Kein Zufall, dass ausgerechnet ein Konzept mit festem Vier-Wochen-Fahrplan bei mir funktioniert hat – welches Kursformat überhaupt zu einem passt, ist eine eigene Überlegung wert, aber bei mir war am Ende die Linearität der entscheidende Punkt.
Es gibt auch Alternativen mit anderem Schwerpunkt, etwa meineMusikschule, die eher auf mehrere Instrumente und Langstrecke setzt statt auf einen schnellen ersten Song – dazu komme ich gleich noch.
Mein Übungsplatz ist unspektakulär: Der Dielenboden in meiner Altbauwohnung knarrt bei jedem Schritt, der Schreibtisch mit den zwei Monitoren steht praktisch Tür an Tür mit dem Sofa, auf dem ich übe, und zwischen den Einheiten lehnt die Gitarre einfach an der Heizung. Mehr Bühne braucht es nicht, auch wenn mein Grafiker-Hirn insgeheim ständig ein Moodboard für die perfekte Übungsecke entwerfen will. Nebenbei hat mir der Kurs auch gezeigt, worauf es beim Anschlagen mit der rechten Hand ankommt, dass die Sitzhaltung über die Zeit genauso zählt wie die Griffe selbst, und dass ein Kapodaster bestimmte Akkorde für Anfänger drastisch vereinfacht, auch wenn ich ihn selten brauche.
Ein Instrument, sechs Saiten, viel Kopfkino
Dabei ist eine Gitarre an sich kein kompliziertes Instrument – sechs Saiten, ein Korpus, fertig. Kompliziert wird es nur im eigenen Kopf, wenn man sich wie ich gleich drei Mal selbst ausgebremst hat.
Bei der Frage nach der täglichen Übungsroutine schau ich inzwischen seltener bei freien Videos vorbei – wie ich früher mit dem Michigit-Ansatz meine Übungsroutine aufgebaut habe, erklär ich an anderer Stelle ausführlicher, auch wenn ich am Ende beim linearen Norberg-System geblieben bin.
Was Dieter mich am häufigsten fragt
Dieter schreibt mir regelmäßig – meistens vergleicht er kurz seinen eigenen Stand mit meinem, nie als Wettkampf, eher wie zwei Leute auf derselben Baustelle. Seine Fragen wiederholen sich, und das sind, halt, auch meine eigenen Fragen von vor ein paar Jahren.
Erste Frage, fast immer: Lohnt sich ein Kurs überhaupt, wenn man ohnehin wenig Zeit hat? Meine Antwort: gerade dann. Ohne festen Plan verliere ich mich in Entscheidungen, mit Plan übe ich einfach die nächste Einheit, Punkt. Wie man die Motivation überhaupt durchhält, wenn der Alltag ständig dazwischenfunkt, ist nochmal eine andere Geschichte für sich.
Zweite Frage: Tut das weh? Ja. Der Wechsel zwischen bestimmten Griffen hat sich in der ersten Zeit angefühlt, als würde man mit den Fingerkuppen gegen eine Wand üben. Wie sich die Haut an der Stelle über die Zeit verändert, erklär ich an anderer Stelle ausführlicher – hier nur so viel: Es wird besser, deutlich früher, als man denkt.

Noch eine Frage, die öfter kommt: Wie merkt man eigentlich, ob man selbst Mist baut, wenn kein Lehrer danebensteht? Meine einzige ehrliche Antwort: Handy aufstellen, sich selbst aufnehmen, und sich das Ganze danach anschauen wie eine fremde Person. Peinlich, aber es zeigt Fehler, die man im Moment selbst nie hört.
Ob das Rhythmusgefühl angeboren ist, fragt Dieter auch gern. Nein – auch das trainiert sich über Wiederholung, nicht über Theorie, mehr dazu ein andermal. Singen und gleichzeitig spielen ist dagegen eine komplett eigene Hürde, die ich erst deutlich später angegangen bin.
Warum der Norberg Kurs für mich gewinnt

Was sich seitdem verändert hat, merke ich an den komischsten Momenten. Neulich hab ich beim Reden nebenbei einen C-Dur-Griff gegriffen, ganz ohne nachzudenken – purer Reflex, die Hand wusste es, bevor ich überhaupt hingeschaut habe. Ein echtes GEFÜHL, sage ich euch.
Zum Stimmen lege ich das Ohr mittlerweile fast an den Korpus – in einer stillen Wohnung hört man jede kleinste Abweichung, noch bevor irgendeine App auf dem Handy überhaupt reagiert. Richtig und zuverlässig stimmen ist nochmal ein eigenes Kapitel, aber so viel vorweg: Das eigene Ohr lügt seltener, als man glaubt.
Der norberg Gitarrenkurs verspricht in vier Wochen zum ersten Lied, ohne Ablenkung, ohne „schau dir auch noch dieses Solo an". Genau diese Linearität ist der Grund, warum er für mich YouTube schlägt – nicht weil YouTube schlecht ist, sondern weil mein Kopf im Chaos einfach schlechter lernt als entlang einer einzigen Spur.
Und wenn es eher eine E-Gitarre werden soll?
Nicht jede und jeder will mit einer Akustikgitarre am Lagerfeuer landen. Die Entscheidung zwischen E- und Akustikgitarre sollte eigentlich vor der Kurswahl fallen, das ist nochmal ein eigenes Thema – aber für alle, die klar Richtung E-Gitarre und ein Abo über mehrere Instrumente wollen, bleibt meineMusikschule die naheliegendere Option, auch wenn dabei der straffe Vier-Wochen-Fokus verloren geht.
Die Gitarre steht jetzt wieder an der Heizung, bis zur nächsten Einheit. Wer von drei abgebrochenen Anläufen genug hat: Probiert lieber ein System aus, das euch die Entscheidungen abnimmt, statt sie euch jeden Abend neu zu überlassen – bei mir war genau das der Unterschied zwischen Anlauf vier und tatsächlich einem fertigen Song.
norberg Gitarrenkurs
Vorteile
- + Glasklare Struktur für totale Anfänger
- + Extrem niedrige Abbruchrate (0,44 %)
- + In 4 Wochen zum ersten echten Song
- + Über ein Jahrzehnt bewährtes Konzept
Nachteile
- ✗ Keine interaktive Community
- ✗ Design wirkt etwas klassisch