Saitenwoche

Gitarre üben mit Metronom: Mein Kampf mit dem Taktgefühl als Anfängerin

Du beherrschst einen Akkordwechsel im Kopf perfekt, aber sobald das Metronom anfängt zu zählen, verlierst du komplett den Anschluss. Bei mir passiert genau das ständig. Seit zwei Jahren probiere ich es immer wieder mit meiner Gitarre, und Metronom-Übungen sind der Punkt, an dem mein Rhythmusgefühl regelmäßig zusammenbricht. Taktgefühl beim Gitarre lernen klingt nach einer Kleinigkeit — bis man selbst versucht, im Takt zu bleiben, während die Finger noch überlegen, wo sie überhaupt hinsollen.

Warum ein Metronom mein Taktgefühl sofort bloßstellt

Rhythmus im Alltag ist für mich echt kein Problem. Ich wippe bei jedem Song im Radio mit, tanze zumindest so halbwegs, und als Grafikerin arbeite ich ständig mit Abständen und Proportionen. Sobald aber sechs Saiten unter meinen Fingern liegen, verwandelt sich dieses innere Uhrwerk in einen Haufen rostiger Zahnräder.

Nahaufnahme einer Hand am Gitarrenhals mit Druckstellen an den Fingerkuppen durch tägliches Metronom-Üben und Akkordwechsel-Training

Dabei dachte ich, nach etlichen Fingerübungen für Anfänger hätte ich meine Hand längst im Griff. Sobald aber die Zeitkomponente dazukommt, fangen die Finger wieder an zu rebellieren, als hätten sie noch nie eine Saite gesehen.

Smartphone mit Metronom-App bei 40 BPM für Rhythmus-Training beim Gitarre lernen, neben einem Plektrum auf einem Holztisch.

Die perfekte BPM-Zahl gibt es nicht

Die Regel, die bei mir inzwischen funktioniert, hat nichts mit einer bestimmten BPM-Zahl zu tun: Ich stelle das Tempo so lange runter, bis ich einen Akkordwechsel viermal hintereinander ohne Stocken schaffe — egal, ob das bei 80 oder bei 40 BPM liegt. Fühlt sich die Zahl auf der Anzeige albern langsam an, ist das meistens genau der Punkt, an dem die Finger endlich mitkommen.

40 BPM fühlt sich zuerst lächerlich langsam an. Genau deshalb funktioniert es dann auch.

Sechzig BPM klingt in der Theorie nach einem gemütlichen Tempo. BPM steht für Beats Per Minute, also Schläge pro Minute. Sechzig davon bedeuten exakt einen Schlag pro Sekunde, fast wie ein entspannter Herzschlag. An der Gitarre fühlt sich das trotzdem an wie ein Hochgeschwindigkeitszug, wenn die Finger noch nicht wissen, wo die nächste Saite überhaupt liegt.

Patentiert wurde das mechanische Metronom übrigens schon 1815, von einem gewissen Johann Nepomuk Mälzel. Das mechanische Metronom zählt bis heute unerbittlich weiter: ganz egal, wie meine Finger gerade drauf sind. Genau das macht es nützlich: Es zeigt gnadenlos, wo mein Zeitgefühl von der Realität abweicht, ohne jede Diskussion.

Kalenderblöcke haben bei mir irgendwie gar nichts gebracht, das kann ich schon mal vorwegnehmen. Ich hatte mir dreißig Minuten Gitarrenübung am Tag fest im Kalender eingetragen — feste Zeit, feste Dauer, alles brav geplant. Nach einer Woche hatte ich den Termin einfach ignoriert, ohne die Gitarre überhaupt aus der Ecke zu holen. Vielleicht hätte auch ein Blick in den Gitarre lernen App oder Onlinekurs Vergleich geholfen, bevor ich mich allein an das Metronom gewagt habe. Aber Zeit im Kalender zu blocken bringt nichts, wenn die eigentliche Übung selbst frustet.

Akkordwechsel im Takt: So isoliere ich das Problem

Ein kompletter Song ist beim Üben fast immer der falsche Ausschnitt. Wenn ein Wechsel wie G-Dur zu D-Dur nicht sitzt, übe ich nur genau diese zwei Takte, im Loop, so lange, bis der Klick keine Überraschung mehr ist. Den Rest vom Song lasse ich in dieser Phase komplett weg.

Der Druck an der Zeigefingerkuppe gehört in dieser Phase dazu. Ja, es ZIEHT. Wie sich dort überhaupt erst Hornhaut bildet, ist ein eigenes Thema für sich, das ich hier nicht aufmache. Ein besseres Warnsignal ist ohnehin akustisch: Rutscht mein Finger beim Wechsel zu hektisch über die dicke G-Saite, quietscht es metallisch zwischen den Wicklungen — und genau dann weiß ich, dass ich wieder zu schnell unterwegs bin.

Wann Metronom-Übungen nichts bringen

Klick für Klick bei jedem einzelnen Schlag mitzuzählen bringt am Anfang mehr als ein Metronom, das nur den ersten Schlag im Takt markiert. Die Lücken dazwischen sind für ungeübte Ohren einfach zu groß. Sobald ein Wechsel zwei Takte am Stück ohne Stocken klappt, schalte ich den Ton aus und spiele nach Gefühl weiter. Kommt der Wechsel dabei ins Schlingern, kommt der Klick sofort zurück. Auch beim Gitarre zupfen lernen gilt dieselbe Regel: Bin ich zu schnell, verheddere ich mich nur; im niedrigen Tempo sortieren sich Finger und Kopf endlich zu einem Team.

Unter der Dusche klappt das komplett automatisch: Ich summe eine Melodie und tippe den Rhythmus dazu mit den Fingerspitzen auf die Kacheln, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Das Gefühl ist also längst da — es verschwindet nur in dem Moment, in dem eine Gitarre in meinen Händen liegt.

Das Signal, dass das Tempo stimmt

Im Gitarren-Forum kommentiert Achim Brestrup inzwischen fast jeden Beitrag von mir mit dem gut gemeinten Rat, ich solle mir doch mehr Zeit lassen — dabei geht es mir bei diesem Projekt wirklich nur um die vier Wochen, wie ich ihm mittlerweile gefühlt zehnmal geantwortet habe. Ein kompletter Vier-Wochen-Plan mit allen Bausteinen ist noch mal ein anderes Thema; hier geht es nur um das eine Nadelöhr namens Taktgefühl.

Meine Joggingpartnerin Heidrun schickt mir zwischendurch Links zu Motivations-Podcasts, die ich mir nie anhöre. Durchhalten funktioniert bei mir offensichtlich nicht über Zuspruch von außen, sondern über die Zahl auf dem Metronom-Display, die ich mit meinen eigenen Fingern schaffe.

Bevor überhaupt ein Metronom ins Spiel kommt, muss die Gitarre natürlich richtig gestimmt sein — sonst übt man Taktgefühl auf falschen Tönen, was ziemlich sinnlos ist. Ob dabei mit Noten oder mit Tabs gearbeitet wird, spielt für den reinen Rhythmus keine Rolle, das ist eine andere Entscheidung. Singen und gleichzeitig spielen ist ohnehin eine komplett eigene Baustelle, an die ich mich noch nicht mal herangewagt habe. Rhythmusgefühl komplett aufzubauen braucht mehr Zeit und mehr Übungsformen, als ein einzelnes Metronom-Training liefern kann — als Startpunkt reicht aber ein klares Signal: Schaffe ich einen Wechsel viermal hintereinander ohne Stocken, ist das Tempo richtig eingestellt. Schaffe ich es nicht, liegt das nicht an Talent, sondern schlicht an einer Zahl, die noch zu hoch steht.

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