Saitenwoche

Wie ich mit dem Michigit Kurs meine Routine beim Gitarre effektiv üben gestalte

Jeden Tag üben soll angeblich der einzige Weg sein, beim Gitarre lernen wirklich voranzukommen. Eine komplette Pause gilt dagegen als Rückschritt. Bei mir, in meinem Selbstversuch mit dem Michigit Kurs, war es fast immer umgekehrt. Meine Gitarren-Routine funktioniert seit ich genau diesen einen Punkt ignoriere, den fast jeder Ratgeber predigt.

Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Hier stecken ein paar Affiliate-Links drin. Bucht ihr darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, für euch ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier nur über Kurse, die ich selbst ausprobiert habe – alles andere wäre unehrlich.

Der Mythos vom täglichen Dranbleiben

Überall liest man den gleichen Satz: Wer nicht jeden Tag an der Gitarre übt, verliert den Fortschritt wieder. Bei Gitarrenforen, in Kursbeschreibungen, sogar bei Leuten, die selbst nie eine Gitarre angefasst haben. Dieser Satz hat mich jahrelang blockiert, weil ich wusste: diesen Anspruch werde ich mit meinem chaotischen Alltag als Grafikerin nie erfüllen.

Genau diese Angst hat mich früher schon einmal in eine Musikschule getrieben. Ich habe mich dort angemeldet, fest entschlossen, es jetzt endlich richtig zu machen – und bin nach zwei Unterrichtsstunden nie wieder hingegangen. Nicht, weil der Unterricht schlecht war. Sondern weil die feste Verpflichtung sich für mich wie eine zusätzliche Deadline anfühlte, und davon hatte ich beruflich schon genug.

Der Michigit Gitarrenkurs [40+ Songs zum Nachspielen] war für mich das genaue Gegenteil davon. Keine feste Stunde, kein Lehrer, der mich enttäuscht ansieht, wenn ich eine Woche ausgesetzt habe – einfach der Kurs und ich, wann immer ich Zeit und Nerven hatte. Klassische Vier-Wochen-Pläne, wie sie viele Anfängerkurse versprechen, sind für Leute mit festerem Tagesrhythmus wahrscheinlich großartig – mir persönlich hat die lockere Struktur mehr geholfen, am Ball zu bleiben.

Finger auf den Gitarrensaiten nach einer Übungseinheit im Selbstversuch — sichtbare Abdrücke als Teil meiner Gitarren-Routine beim Gitarre lernen

Bringt eine Pause wirklich mehr als die nächste Übungseinheit?

Die zweite Überraschung war noch größer als die erste. Ich hatte angenommen, dass bewusstes Aussetzen mich zurückwirft – stattdessen ging es danach oft schneller als vorher. Warum das so ist, kann ich nicht wissenschaftlich erklären, und ich tue hier auch nicht so, als könnte ich es. Ich weiß nur, was ich bei mir beobachtet habe: nach einem komplett gitarrenfreien Tag lief ein Griffwechsel, an dem ich kurz davor fast verzweifelt bin, auf einmal glatt.

Der Moment, der mich das wirklich glauben ließ, kam nach genau einer dieser Pausen: Ich spielte am Stück durch, es fühlte sich an wie die ersten echten zwei Minuten ohne einen einzigen Hänger – und danach saß ich nur da und habe die Gitarre angeschaut, als hätte sie gerade etwas getan, das ich ihr nicht zugetraut hätte. Keine große Geste, kein Jubelschrei, nur dieses stille Staunen.

Eine Leserin, Regine Kübler, hat das mal schön auf den Punkt gebracht. Sie kommentierte unter einem meiner ersten Texte, dass sie ihren eigenen Fortschritt ehrlicher einschätzt, als ich meinen einschätze – und sie hat wahrscheinlich recht. Wir messen Fortschritt zu oft an Disziplin und zu selten an dem, was am Ende tatsächlich klappt.

Wie sieht eine Gitarren-Routine aus, die wirklich hält?

Konkret sieht meine Routine inzwischen so aus: Die Gitarre lehnt zwischen den Einheiten einfach an der Heizung, direkt neben dem Schreibtisch mit den zwei Bildschirmen, an dem ich sonst Kundenlogos entwerfe – in meiner Altbauwohnung in der Südvorstadt. Kein Schrank, kein Koffer, keine Extra-Hürde. Der alte Dielenboden aus Fichtenholz knarrt jedes Mal, wenn ich vom Sofa aufstehe, um sie zu holen, und durchs Fenster sehe ich nur die begrünte Mauer im Hinterhof – keine Ablenkung, kein Grund, noch zwei Minuten woanders hinzuschauen.

Bevor überhaupt ein Ton kommt, stimme ich kurz. Klingt banal, aber eine falsch gestimmte Saite macht jede noch so gute Übung wertlos. Auch wie ich das Plektrum zwischen den Fingern halte, hat sich über die Zeit eingespielt, auch wenn es anfangs bei jedem schnelleren Wechsel wegrutschte.

Wer dabei wie ich zum Verspannen neigt, findet unter Gitarre spielen ohne Rückenschmerzen einiges, das mir anfangs gefehlt hat. Mein Taktgefühl kam übrigens nicht durchs Zählen, sondern erst, als ich aufgehört habe, jeden einzelnen Ton bewusst zu verfolgen.

Noten lese ich bis heute nicht – Tabs reichen mir völlig. Singen während des Spielens habe ich mir bewusst für ganz am Schluss meiner Routine aufgehoben, nicht für den Anfang. Und zwischen einer App und einem richtigen Kurs habe ich mich am Ende ganz bewusst für Letzteres entschieden, weil mir eine App allein zu beliebig vorkam.

Schmerzhafte Wahrheiten über Fingerkuppen und Geduld

Reden wir kurz über den Schmerz, weil den erwähnt kaum ein Kurs-Werbetext. Es gab Abende, an denen ich das Plektrum am liebsten in die Zimmerecke gepfeffert hätte, weil ein Griff, den ich eigentlich schon konnte, plötzlich einfach nicht mehr saß und mein Daumen sich wie verkrampft anfühlte.

Mit der Zeit bildet sich an den Kuppen diese feste Hornhaut, und das brennende Gefühl wird seltener – wie genau das passiert und wie man es beschleunigen könnte, ist nochmal ein eigenes Thema, das hier keinen Platz hat. Komisch genug ist man am Ende fast stolz auf diese kleinen Druckstellen.

Irgendwann kommt sowieso der Punkt, an dem gar nichts mehr vorangeht, egal wie oft man übt. Dann hilft meistens nicht noch mehr Wiederholung, sondern ein Blick auf das Thema Gitarren-Plateau überwinden – bei mir war genau das der Punkt, an dem ich fast wieder aufgegeben hätte.

Zu dieser Gelassenheit passt übrigens, dass der Michigit Gitarrenkurs [YouTube-Vibes im Wohnzimmer] genau solche Pausen und Plateaus einfach mitträgt. Es gibt keinen Lehrer, der eine ausgelassene Einheit nachträgt oder mahnt – man navigiert sich durch die Songs, bleibt bei einem drei Tage hängen oder lässt eine Woche ganz aus, ohne dass ein schlechtes Gewissen eingebaut wäre.

Finde den Kurs, der zu deiner Routine passt

Am Ende hängt die Wahl des Kurses weniger von Bewertungen ab als von der eigenen Routine, die man sich zutraut. Wer klare Etappen und einen festen Fahrplan braucht, ist beim norberg Gitarrenkurs [Held des 4-Wochen-Plans] vermutlich besser aufgehoben als bei mir – diese Struktur ist für planungsliebende Typen gemacht, und das meine ich nicht abwertend, nur ist es nicht mein Ding.

Wer dagegen eher chaotisch tickt, Pausen braucht und sich von keinem festen Lehrplan was sagen lassen will, bekommt bei Michigit wahrscheinlich die gleiche lockere Erlaubnis, die bei mir funktioniert hat. Der wunde Daumen geht vorbei. Die Erlaubnis, auch mal eine Woche auszusetzen, bleibt. Wer das selbst ausprobieren will: Hier geht es zum Michigit Gitarrenkurs.

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