Saitenwoche

Gitarre lernen für Wiedereinsteiger: Meine Erfahrungen mit dem Norberg Kurs

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Der Ringfinger rutscht zum wiederholten Mal von der zweiten Saite, und statt eines sauberen Tons kommt nur ein dumpfes Schnarren aus dem Korpus. Ich drücke fester, es wird schlimmer. Willkommen bei meinem vierten Anlauf, als erwachsene Wiedereinsteigerin doch noch Gitarre zu lernen — dieses Mal mit einem festen Ziel: ein Song, egal wie wund die Finger werden.

Kurz eingeschoben, bevor es weitergeht: Ich verlinke in diesem Selbstversuch nur Kurse, die ich in den letzten Wochen wirklich ausprobiert habe, und wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Angefangen habe ich mit dem Online-Gitarrenkurs von Norberg, weil er mir genau die vier Wochen versprach, die ich diesmal durchhalten wollte.

Der vierte Versuch, dieses Mal ohne Hintertür

Der Koffer hat drei gescheiterte Anläufe gesehen. Beim dritten habe ich mir ein teures Online-Kurspaket gekauft und nie die erste Lektion geöffnet — der Link blieb ungeklickt in meinem Postfach, bis ich ihn irgendwann gelöscht habe. Wer schon mal eine Gitarre monatelang ignoriert hat, kennt diesen leisen Vorwurf, der von einem Instrument ausgehen kann. Vorher habe ich mir auch meineMusikschule angeschaut, aber das wirkte wie ein Rundumprogramm für jedes Level und jedes Instrument — ich wollte kein Rundumprogramm. Ich wollte vier Wochen mit einem einzigen, klaren Ziel.

Mein Übungsplatz ist das Wohnzimmersofa, direkt neben dem Schreibtisch, an dem ich sonst Logos und Layouts baue — zwei Bildschirme auf der einen Seite, eine Gitarre lehnt in den Pausen an der Heizung auf der anderen. Der alte Dielenboden knarrt bei jedem Schritt, und wenn die Heizung unter der Zarge angeht, fängt die Gitarre leise an mitzuschwingen, fast wie ein zweites Instrument, das keiner gebeten hat. Beim Stimmen nach Gehör drehe ich in der ersten Woche prompt am falschen Wirbel, und die Saite knallt mir mit einem peitschenden Geräusch entgegen — Herzschlag kurz bei gefühlt 180. Ich laufe raus zur nächsten Musikalienhandlung am Connewitzer Kreuz, kaufe eine Ersatzsaite nach, und lerne nebenbei, wie man den Wirbel wirklich hält, ohne dass er einem aus der Hand rutscht.

Das Handgelenk kippt in den ersten Tagen ständig in einem Winkel, der nach ein paar Minuten in der Schulter zieht, bis ich merke, dass ich mich über die Gitarre beuge wie über ein Blatt Papier. Das Plektrum rutscht mir dazu andauernd zwischen den Fingern weg, weil ich es viel zu fest halte, aus reiner Nervosität. Beides sind Kleinigkeiten, die kein Tutorial vorher erwähnt hat.

Fingerspitzen mit roten Abdrücken der Gitarrensaiten nach dem Übungsblock als Wiedereinsteigerin

Wieso ausgerechnet der Zeigefinger am meisten wehtut

Mitte der zweiten Woche kommt der Moment, in dem ich fast wieder aufgebe. Ein regnerischer Abend, der Unterarm zieht, und nach einer Stunde Grifftraining habe ich tiefrote Rillen an den Fingerkuppen, die sich anfühlen, als würde ich auf Draht drücken. Ich hole mir zwischendurch ein paar Tipps, wie ich meine Finger endlich sortiere, damit der Ringfinger nicht mehr ständig auf der Nachbarsaite landet. Wie lange es dauert, bis sich das alles legt, ist bei jedem anders — bei mir hat es sich einfach über die Wochen langsam abgehärtet, ohne dass ich es genau datieren könnte.

Der Wechsel von G-Dur zu C-Dur bleibt tagelang eine Quälerei — Finger heben, neu sortieren, wieder scheppern, von vorne. Eine Freundin, die seit zwei Wintern an demselben Pullover strickt, sagt an einem Abend nur trocken: 'Manche Sachen brauchen halt ihre Zeit', während sie neben mir auf dem Sofa eine Reihe nach der anderen abarbeitet. Sie hat nicht ganz unrecht, auch wenn ich es in dem Moment nicht hören will. Was mich am Laufen hält, ist echt nicht Disziplin, sondern die pure Sturheit, nicht wieder als die Frau dazustehen, die zum vierten Mal aufgegeben hat.

Richtige Noten lese ich bis heute nicht — ich verlasse mich komplett auf Tabs, und das reicht für das, was ich vorhabe, völlig aus. Eine App hätte mir wahrscheinlich mehr Auswahl gegeben, aber ich wollte einen festen Ablauf ohne endloses Scrollen durch Kurse, und genau das war der Grund für den Online-Kurs statt einer App. Als ich in Woche drei zum ersten Mal versuche, gleichzeitig zu singen und zu spielen, geht das grandios schief — nach der ersten Zeile verliere ich komplett den Faden, und die Gitarre klingt, als würde sie sich über mich lustig machen.

Der Online-Gitarrenkurs ist nach vier Wochen vorbei – und dann?

Nach den vier Wochen ist der Norberg-Kurs offiziell durch, und ich kann einen Song einigermaßen sauber spielen — nicht perfekt, aber ohne dass jemand im Nebenraum zusammenzuckt. Was mir an dem Kurs gefallen hat: kein Forum, keine Community, die mich ablenkt, einfach nur die Videos und meine Finger. Für alle, die lieber zwischen vielen Songs wechseln, statt sich vier Wochen auf eins festzulegen, gibt es Alternativen wie Michigit mit über 40 Songs zum Nachspielen — für mein Kopfkino war das zu viel Auswahl auf einmal, aber jede Wiedereinsteigerin tickt anders.

Unter meinem Tagebucheintrag aus Woche eins taucht irgendwann ein Kommentar auf von einer Leserin, Regine Kübler, Erzieherin aus dem Umland, die nach eigener Aussage seit Jahren versucht, ihre eigene Gitarre hinter dem Sofa abzustauben. Ihre Nachrichten sind jedes Mal länger als alles, was ich ihr je zurückschreibe — ein schlechtes Gewissen, das mich bis heute begleitet.

Gitarren-Kopfplatte mit gerissener Saite nach einem missglückten Stimm-Versuch beim Gitarre lernen

Woche zwölf, und die Dusche verrät, was sich wirklich verändert hat

Zwölf Wochen nach dem ersten Riss in der Saite stehe ich unter der Dusche und singe irgendeine Melodie vor mich hin, während meine Finger im Takt gegen die Fliesen tippen, ganz automatisch, ohne dass ich bewusst zähle. Erst als das Wasser schon kalt wird, merke ich, dass ich gerade den Rhythmus eines ganzen Songs im Kopf mitgetippt habe, ohne einmal danach zu suchen. Das Gefühl für den Takt war irgendwann einfach da, zwischen all den Übungssitzungen, die sich nicht wie Fortschritt angefühlt haben.

Meine Hände sind nicht groß, und falls dich das genauso beschäftigt wie mich am Anfang, habe ich dazu auch mal ein paar Tipps für kurze Finger aufgeschrieben. Was ich aus den zwölf Wochen mitnehme, ist simpel: Der Fortschritt kam nie an den Tagen, an denen ich mich extra hingesetzt habe, um Fortschritt zu machen, sondern irgendwo dazwischen, beim Summen unter der Dusche oder beim Warten aufs Nudelwasser. Wenn du auch schon mal drei Anläufe abgebrochen hast — gib dir die vier Wochen mit einem einzigen Ziel, und dann ruhig noch ein paar mehr, ohne Druck.

Der Kurs, mit dem das bei mir angefangen hat, findest du hier: Norberg Gitarrenkurs — schau selbst, ob das Konzept zu dir passt, den aktuellen Stand und Preis siehst du am besten direkt beim Anbieter. Ich leg die Gitarre jetzt zurück an die Heizung. Bis morgen, versprochen.

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