Saitenwoche

Gitarre spielen und gleichzeitig singen lernen: Mein Problem in Woche 3

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Warum klappt es nicht einfach, wenn du die Akkordwechsel im Schlaf beherrschst und den Songtext auswendig kannst? Genau diese Frage hat meinen Selbstversuch fürs Gitarre lernen fast zum Scheitern gebracht. Beides hatte ich getrennt geübt – die Griffe, die Worte –, und trotzdem brach beim gleichzeitigen Spielen und Singen jedes Mal alles in sich zusammen. Für Musik-Anfänger klingt das vermutlich nach einer Kleinigkeit. Für mich war es die größte Wand meines ganzen Projekts.

Kurz zur Einordnung, bevor es weitergeht: Ich verlinke in diesem Text auf einen Gitarrenkurs, den ich für mein eigenes Projekt wirklich nutze. Kauft ihr darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision dafür – an eurem Preis ändert das nichts.

Der Irrtum beim gleichzeitigen Gitarre spielen und Singen

Der Gedanke klingt total logisch: Wer die Akkorde beherrscht und den Text auswendig kann, muss beides doch nur noch übereinanderlegen. Reine Addition, sozusagen. Genau dieser Annahme bin ich selbst aufgesessen – und genau daran bin ich in meinem dritten Anlauf fast gescheitert. Meine rechte Hand wollte exakt das tun, was meine Stimme gerade sang. Meine Stimme wiederum wollte sich am Rhythmus der Hand orientieren. Am Ende haben beide verloren.

Was mir vorher keine einzige Anleitung gesagt hat: Singen und Spielen sind keine zwei Fähigkeiten, die man addiert. Es ist eine dritte, komplett eigene Fähigkeit – die Koordination selbst. Man kann Akkordwechsel perfekt beherrschen und trotzdem genau an diesem Punkt scheitern, weil das Gehirn zwei parallele Rhythmen nicht einfach nebeneinander laufen lässt. Nicht die Griffe waren mein Problem in dieser Phase, sondern der Übergang zwischen beidem.

Nahaufnahme von Fingerkuppen nach dem Üben – Gitarre lernen als Erwachsener im Selbstversuch

Das passiert im Kopf, wenn Hand und Stimme sich streiten

Ich wollte neulich den ersten Refrain singen, nichts als ein einfacher G-Dur-Akkord. Kaum hatte ich Luft geholt, blieb meine rechte Hand buchstäblich über den Saiten hängen – wie ein Roboter, der nicht weiß, ob er wischen oder schlagen soll. Beruflich entwerfe ich Logos und komplette Layouts, jongliere komplexe Screens ohne Probleme, und trotzdem scheitere ich daran, gleichzeitig "Hello" zu sagen und eine Saite zu treffen.

Drei Sekunden. Dann ging gar nichts mehr.

Ein paar Tage später saß ich wieder mit der Gitarre da und schaffte diesmal zwei volle Minuten am Stück, ohne einmal abzureißen. Als der letzte Ton verklungen war, hab ich das Instrument nur noch angestarrt – fast so, als hätte es sich gerade eben selbst gespielt und ich wäre bloß zufällig dabei gewesen.

Akkordwechsel an sich waren dabei übrigens nie mein Kernproblem, genauso wenig wie harte Fingerkuppen, an die ich mich in den Wochen davor längst gewöhnt hatte. Geholfen hat mir vor allem, dass ich in meinem norberg Gitarrenkurs überhaupt einen festen Rahmen hatte, an dem ich mich in genau solchen Krisenmomenten festhalten konnte. Ich habe gemerkt, dass dieser norberg Gitarrenkurs für solche Phasen gemacht ist, in denen man am liebsten alles hinschmeißen würde – der Fokus liegt auf dem einen Song, nicht auf endlosem Theorie-Pauken.

Ein gutgemeinter Freund hat es schlimmer gemacht

Einmal hab ich es mit einem Freund zusammen versucht. Er kannte die Akkorde schon lange und legte ein Tempo vor, bei dem ich beim ersten Wechsel längst hängen geblieben war. Gut gemeint war das zweifellos, geholfen hat es trotzdem nicht – am Ende saß ich frustrierter da als vorher und hab lieber wieder allein weitergeübt.

Mein Nachbar Armin hat neulich durch die Wand mitgehört, wie ich mich an derselben Stelle wieder und wieder verhaspelt habe. Sein Kommentar danach: Es habe schon "nach echtem Lied" geklungen. Auf Technik legt er sowieso nie wert, er urteilt halt rein nach Bauchgefühl – und genau deshalb war sein Satz mehr wert als jede Anleitung an dem Tag.

Laptop mit Online-Gitarrenkurs für den Selbstversuch Gitarre lernen, daneben eine Tasse Kaffee auf einem Holztisch

Erst entkoppeln, dann kombinieren

Funktioniert hat am Ende ausgerechnet das Gegenteil von dem, was die meisten Anleitungen vorschlagen: nicht gleichzeitig üben, sondern bewusst trennen. Erst nur summen statt singen, damit das Gehirn nicht sofort mit der Artikulation überfordert ist. Dann der "Robotermodus" – nur den Abschlag auf die Eins spielen und die Hand für den Rest des Takts einfach hängen lassen, bis sich das ganz automatisch anfühlt. Zuletzt das Tempo so weit drosseln, dass es fast wie eine Zeitlupenaufnahme klingt, bis die Akkorde wirklich sicher sitzen. Erst wenn keiner der beiden Teile mehr bewusstes Nachdenken braucht, kommen Text und Hand wieder zusammen.

Rhythmusgefühl entwickelt sich bei mir sowieso eher über den Körper als über den Kopf, und genau darüber schreibe ich ausführlicher in meinen Tipps zum Rhythmus üben. Hier ging es nur um diesen einen Punkt: Solange die Hand noch denkt, kann die Stimme nicht mitkommen.

Der Vier-Wochen-Rahmen und seine Grenzen

Dass mein Kurs auf einen festen Vier-Wochen-Rahmen setzt, ist für mich der entscheidende Unterschied zu den drei Anläufen, die ich vorher abgebrochen habe. Wer diesen Zeitdruck nicht braucht, findet im AndiT Gitarrenkurs deutlich mehr Songauswahl zum Nachspielen. Durchhalten hängt bei mir eng daran, wie eng die Auswahl ist – mit zu vielen Optionen verliere ich mich schnell, mit einem einzigen Song und einer festen Frist bleibe ich dran.

Brille liegt auf handgeschriebenem Liedtext mit Gitarrenakkorden, vorbereitet für gleichzeitiges Singen und Spielen

Es klingt nicht nach Lagerfeuer, aber es funktioniert

Meine Fingerspitzen sind taub, meine Stimme ist vom Fluchen und Ausprobieren leicht heiser, aber ich hab in diesem Anlauf zum ersten Mal nicht hingeschmissen. Nach Lagerfeuer-Romantik klingt das noch lange nicht, eher nach einem sehr bemühten Baustellen-Konzert. Wer selbst gerade an genau diesem Punkt hängt, dem hilft am meisten, die beiden Teile bewusst wieder auseinanderzunehmen, statt sie mit noch mehr Wiederholung zusammenzupressen – erst separat automatisieren, dann erst zusammenführen. Für den Einstieg überhaupt schaut euch gern meine Top 5 Songs für Anfänger an, die frustrieren spürbar weniger als mein aktuelles Projekt.

Wenn ihr genau an diesem Punkt gerade selbst verzweifelt: Probiert die Trennung aus, bevor ihr das ganze Projekt hinschmeißt. Der Kurs, der mich durch genau diese Woche getragen hat, steht hier: Der 4-Wochen-Gitarrenkurs von Norberg.

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