Saitenwoche

Schnelle Akkordwechsel üben: Flüssiger spielen mit dem Michigit Gitarrenkurs

Zwischen zwei Übungsrunden lehnt die Gitarre inzwischen dauerhaft an der Heizung — kein Zurück ins Case mehr, einfach griffbereit für die nächste Runde. Akkordwechsel sind der Teil vom Gitarre lernen, der bei mir die meisten Nerven kostet, und in diesem Selbstversuch mit dem Michigit Kurs vergleiche ich zwei Wege, die beide funktionieren — nur eben nicht gleich schnell.

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Dieter Raasch, ein Leser, der mir öfter schreibt, hat neulich in einer sehr kurzen Mail gefragt: „Erst sauber üben oder erst schnell?" Kein Gruß, keine Vorrede, nur die Frage, mitten rein.

Meine Antwort nach einigem Hin und Her: beides, nur in unterschiedlicher Reihenfolge, je nachdem, was gerade fehlt. Fehlt der verlässliche Griff komplett, hilft erst mal Struktur. Sitzen ein paar Akkorde schon, klappt der Wechsel aber nie flüssig, hilft eher der Sprung ins kalte Wasser.

Akkordwechsel: der Unterschied zwischen sauber und schnell

Bevor überhaupt ein Kurs mit System ins Spiel kam, war da eine Gitarren-App auf dem Handy. Eine Weile lang lief das brav — kurze Übungen, kleine Erfolgserlebnisse, ein bisschen Gamification. Irgendwann habe ich sie kommentarlos wieder gelöscht, ohne große Erklärung, nicht mal mir selbst gegenüber. Zu viel Bling-Bling, zu wenig echtes Gefühl für die Saiten, halt.

Der norberg Gitarrenkurs ist bei mir seitdem der Ort für das saubere, langsame Fundament: ein Griff nach dem anderen, ohne Hektik, bis die Finger von selbst wissen, wo sie hinmüssen. Kein Wohnzimmer-Gefühl, eher ein ruhiger, systematischer Aufbau.

Nahaufnahme der Finger auf den Gitarrensaiten beim Akkordwechsel üben, mit sichtbaren Druckstellen vom Selbstversuch

Erst perfekt, dann schnell — oder umgekehrt?

Genau hier trennen sich die beiden Ansätze. Norberg baut von unten nach oben: erst der einzelne Akkord, dann der Wechsel, dann das Tempo. Michigit dreht das um und wirft einen mitten in einen Song, Wechsel und alles, bevor überhaupt etwas sauber sitzt.

Unter der Dusche singe ich manchmal eine Melodie vor mich hin und merke erst hinterher, dass die Fingerspitzen im Takt gegen die nasse Fliese geklopft haben — ganz automatisch, irgendwie, ohne dass ich es geplant hätte. Der Rhythmus sitzt offenbar auch dann, wenn gar keine Gitarre in der Nähe ist.

Sechs Saiten, zehn Finger, und trotzdem fühlt sich ein einziger Wechsel manchmal an, als müssten alle gleichzeitig an einem anderen Ort sein. Eine Gitarre hat offiziell nur 6 Saiten — das Gehirn dahinter tut trotzdem so, als wären es zwanzig.

Michigit macht aus dem Wechsel einen Song

Über 40 Songs liegen in der Bibliothek des Kurses, zum direkten Nachspielen. Das ist echt der Kern des zweiten Ansatzes: Man übt den Wechsel nicht isoliert, man übt ihn eingebettet in ein Lied, das schon nach etwas klingt, auch wenn der Übergang noch scheppert.

Für den Einstieg in genau dieses Prinzip habe ich meine Top 5 Songs für Anfänger zusammengestellt — Stücke, bei denen ein unsauberer Wechsel kaum auffällt, weil der Rhythmus trägt.

Laptop mit dem Michigit Gitarrenkurs geöffnet, Songs zum Nachspielen für den Akkordwechsel beim Gitarre lernen

Wer die strukturierte Variante bevorzugt: Meine Eindrücke zum Norberg Kurs zeigen die ruhigere Gegenseite dieses Vergleichs. Beide Kurse widersprechen sich dabei nicht — sie ziehen nur an unterschiedlichen Enden.

Der Rhythmus ist in beiden Fällen eigentlich das tragende Element, nicht die makellose Sauberkeit — dazu habe ich in meinen Tipps zum Rhythmus üben ohne Roboter-Sound mehr geschrieben.

Beide Methoden gegeneinander antreten lassen

Frauke, aus meinem Grafikdesign-Umfeld, bekommt gelegentlich eine Sprachnachricht mit dem neuesten Übungsversuch vorgespielt. Ihre Antwort ist fast immer dasselbe: ein einziges Daumen-hoch-Emoji, kein Wort dazu. Mehr Feedback brauche ich manchmal echt nicht.

Die Handhaltung beim Wechsel selbst — welcher Finger zuerst loslässt, wie die Hand zum nächsten Griff wandert — ist ein eigenes Thema, das hier nicht reinpasst. Genauso, wie so ein Fahrplan für Erwachsene beim Gitarre lernen insgesamt aufgebaut sein sollte. Was mit den Fingerkuppen passiert, wenn man am Ball bleibt, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher. Und warum man bei alldem überhaupt dranbleibt, ist nochmal eine andere Geschichte.

Kurz reingeschaut habe ich auch bei meineMusikschule, nur um zu sehen, wie die E-Gitarren-Welt mit Wechseln und Tempo umgeht — aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag.

Tasse Tee und Plektrum auf dem Holztisch während der Übungspause vom Akkordwechsel-Training

Wann sich welche Methode lohnt

Nebenbei fluche ich immer noch, wenn die Gitarrenstimmung nach der zehnten Minute wieder nicht passt — das hat mit keiner der beiden Methoden zu tun, nur mit der Physik der Saiten.

Wer bei null anfängt und noch keinen einzigen Akkord verlässlich greift, fährt vermutlich besser mit dem langsamen, sauberen Aufbau — System vor Tempo, Frust inklusive. Wer schon ein paar Griffe kann und einfach das Gefühl von echter Musik will, kommt mit dem Sprung-ins-kalte-Wasser-Ansatz vom Michigit Gitarrenkurs vermutlich schneller an.

Mein G-Dur klingt bei beiden Varianten übrigens immer noch leicht schief.

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