
0,44 Prozent, mehr Kundinnen und Kunden geben den norberg Gitarrenkurs nicht zurück, und genau diese Zahl hat mich stutzig gemacht, bevor ich auch nur eine einzige Lektion gesehen habe. Wer wie ich schon mehrere Anläufe beim Gitarre lernen abgebrochen hat, fragt sich bei so einer Quote sofort: Liegt das am Kurs, oder daran, dass die meisten Leute einfach nicht genau hinschauen? Ich bin Marlene, Grafikerin aus Leipzig, und für diese norberg-Bewertung habe ich den Kurs im Rahmen eines eigenen Selbstversuchs komplett durchgezogen — als Musikkurs für echte Anfängerinnen, nicht für Leute, die schon ein Instrument spielen.
Genau darum geht es hier auch nicht um eine weitere Wochen-für-Woche-Geschichte, sondern um die Fragen, die mir seither am häufigsten gestellt wurden — von Leserinnen, von Kolleginnen aus dem Grafikbüro, und von einem sehr hartnäckigen Kommentator namens Achim Brestrup, der seit meinem allerersten Forumspost regelmäßig unter meinen Beiträgen auftaucht.
Für wen lohnt sich der norberg Crashkurs wirklich?
Kurz und ehrlich: für Leute mit wenig Zeit und viel Ungeduld, die einen fertigen Plan brauchen und keine eigene Recherche mehr leisten wollen. Als Grafikerin sitze ich in manchen Phasen einfach am Bildschirm fest und brauche dann etwas, das sagt: mach heute genau das hier, für zwanzig Minuten, fertig. Deshalb bin ich beim norberg Gitarrenkurs gelandet — kein Buffet mit hundert Optionen, sondern eine einzige klare Linie bis zum ersten Song.
Wer stattdessen von Anfang an frei experimentieren, eigene Soli erfinden oder mit einer Band jammen will, wird sich in diesem engen Korsett vermutlich eingeengt fühlen. Norberg folgt einem festen Drehbuch, und genau das ist gleichzeitig sein größter Vorteil und seine größte Grenze, was mich bei den anderen Fragen weiter unten noch ein paar Mal beschäftigen wird.
Anfänger-Tipps: Radikal reduziert, nicht verkürzt
Das Versprechen war simpel: in vier Wochen zum ersten Song, ohne Umwege über Noten oder Musiktheorie. Klingt nach Marketing, ist aber tatsächlich ein System dahinter — der Kurs ist kein Buffet, an dem man sich verliert, sondern eher ein strenger Ernährungsplan für die Finger. Man lernt genau das, was man braucht, um Akkorde zu greifen und einen Rhythmus zu halten, nicht mehr und nicht weniger.
Wie man von einem Akkord sauber und ohne Ruckeln zum nächsten wechselt, ist noch mal ein eigenes, größeres Thema für sich, das norberg hier nur streift. Auch das Rhythmusgefühl selbst wird eher trainiert als im Detail erklärt — dafür fehlte mir persönlich ohnehin die Geduld für graue Theorie. Für jemanden wie mich, die stundenlang über dem perfekten Blauton für ein Logo brüten kann, war diese enge Führung ehrlich gesagt eine Erlösung.

Wenn die ersten Übungssessions einfach nicht klappen
Die Fingerkuppen brauchen Zeit, so viel steht fest — wie lange genau und was dagegen tatsächlich hilft, ist ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht in aller Breite auswalze. Nur so viel: Es tut weh, und irgendwann hört es auf.
Nach einer Pause von ein paar Tagen fühlen sich die Saiten kalt und stur an, fast so, als würden sie sich weigern mitzuspielen — dieses Gefühl kam bei mir öfter zurück, als mir lieb war, und jedes Mal musste ich mich neu überreden, überhaupt anzufangen.
Mein erster Versuch, das Ganze über reine Willenskraft zu lösen, ist krachend gescheitert: Ich habe mir jeden Tag dreißig Minuten fest im Kalender geblockt, hübsch farbig markiert — und nach einer Woche den Termin einfach ignoriert, als wäre er für jemand anderen gedacht. Kalendereinträge motivieren halt niemanden, der eigentlich keine Lust hat.
Zwischendurch meldet sich in den Kommentaren auch immer wieder Achim Brestrup, der mir mal geraten hat, die Gitarre beim Üben höher zu halten, damit das Handgelenk gerader steht — gut gemeint, aber technisch nur halb richtig, wie mir später jemand mit mehr Erfahrung erklärt hat. Seine Tipps lasse ich trotzdem stehen, weil sie wenigstens zeigen, dass hier echte Menschen mitlesen und nicht nur Bots.
Parallel dazu habe ich mir in dieser Phase auch ein paar Videos vom Michigit Gitarrenkurs angeschaut, weil ich dachte, der lockerere YouTube-Stil passt vielleicht besser zu meiner Laune. Ganz ehrlich: In dem Moment hat mich das eher überfordert, weil mir noch die norberg-Grundlagen fehlten. Wer aber ohnehin schon ein bisschen was kann und einen entspannteren Ton mag, findet dort einen sympathischen Lehrer, der sein Programm nach eigenen Angaben seit 2015 pflegt.

norberg oder AndiT: Wer passt zu wem?
Norberg ist nicht die einzige Option da draußen, so viel steht nach meinem Selbstversuch fest. Hier ein kleiner Überblick, wie ich die verschiedenen Ansätze einschätze:
| Kurs | Stil | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| norberg Gitarrenkurs | Crashkurs (4 Wochen) | Extrem zielgerichtet, hohe Erfolgsquote | Wenig Raum für Experimente |
| AndiTGitarre Nr.1 | Song-basiert | Über 40 konkrete Songs zum Mitspielen | Mehr Material (8 Std.), braucht mehr Zeit |
| Michigit | Unterhaltsam / YT-Stil | Lockerer Lehrer, gute Stimmung | Struktur schwankt manchmal |
| meineMusikschule | Abo-Modell | Sehr breit gefächert (auch Bass/E-Git) | Höhere Abbruchquote (3,45 %) |
Wer eher der Typ ist, der eine riesige Auswahl an Songs braucht und sich gerne Zeit lässt, findet im AndiTGitarre Nr.1 Gitarrenkurs eine gute Alternative: über 16.000 Abonnentinnen und Abonnenten auf YouTube, 17 Lektionen und etwa 8 Stunden Material — deutlich umfangreicher als der norberg-Ansatz, dafür ohne die enge 4-Wochen-Deadline im Nacken.
So merkt man, dass es plötzlich funktioniert
Der G-Dur-Griff war für mich der Moment, an dem sich etwas verschoben hat: Ich griff die Saiten, ohne hinzuschauen, mein Blick war schon längst woanders, bei irgendwas anderem im Zimmer.
Heidrun Siebel, meine Joggingpartnerin, hat davon beim Laufen im Clara-Zetkin-Park gehört und sofort einen Vergleich zur Marathonvorbereitung gezogen, so wie sie das eigentlich bei allem macht, was mit Training zu tun hat — bei ihr ist am Ende doch alles eine Frage von Kilometern und Sitzfleisch.
Ob man in so einer Phase überhaupt durchhält, hängt nach meiner Erfahrung weniger von Talent ab als davon, wie gut man mit dem eigenen inneren Schweinehund verhandelt. Auch das ist eigentlich ein eigenes Thema, das mehr Platz verdient, als ich ihm hier geben kann.
In genau diesem Moment wurde mir klar, warum der norberg Gitarrenkurs so gut funktioniert: Er zwingt einen durch die zähe Anfangsphase hindurch, in der nichts weich oder leicht ist, bis die Finger die Bewegung irgendwann von allein kennen. Schön oder kreativ ist das nicht immer — es ist Training. Aber danach kann man eben wirklich spielen.
Nebenbei habe ich in der Zeit auch kurz ins Programm von meineMusikschule E-Gitarre reingeschnuppert, aber das Abo-Modell hat mich eher gestresst als motiviert. Ich hatte das Gefühl, ich zahle monatlich für ein schlechtes Gewissen, sobald ich mal drei Tage nicht übe. Ein Einmalkauf wie bei norberg oder AndiT ist mir da deutlich lieber.

Mein Fazit: Der norberg Crashkurs lohnt sich für die meisten Ungeduldigen
Ja, für mich hat sich das gelohnt. Ich kann meinen Song von Anfang bis Ende spielen, ohne stehen zu bleiben und ohne zu fluchen — und nach mehreren gescheiterten Anläufen ist das für mich schon ein kleiner Sieg. Verstanden habe ich vor allem eins: Ich wollte früher immer zu viel auf einmal und hatte keinen Plan, der mich durch Schmerz und Langeweile der ersten Tage trägt.
Wer sich generell fragt, ob so ein kurzer, harter Rhythmus überhaupt realistisch ist, findet dazu mehr in meinen Notizen zum Gitarre lernen als Erwachsener.
Mit mehr Zeit im Gepäck und dem Wunsch nach einer großen Song-Bibliothek greift man besser zum Kurs von AndiT. Für den harten, schnellen Einstieg mit einem echten Erfolgserlebnis statt noch mehr Theorie bleibt für mich der norberg Gitarrenkurs trotzdem die bessere Wahl.
Falls dich eine der Fragen hier genauso beschäftigt hat wie mich, bevor ich überhaupt eine einzige Lektion gesehen habe: Ein Klick auf einen der Kurse oben bringt dich vermutlich weiter als noch mehr Grübeln allein im Wohnzimmer. Und falls du dich fragst, ob ich die Gitarre jetzt wieder in die Ecke stelle — nein, sie lehnt gerade griffbereit neben mir, und ich überlege schon, welcher Song als Nächstes drankommt.