
Das Plektrum schnalzt mir zum gefühlt zehnten Mal aus den Fingern, klackert kurz gegen Holz und ist weg. Wieder. Genau dieses eine Ding, kleiner als mein Daumennagel, entscheidet gerade, ob mein Gitarre-lernen-Projekt vorankommt oder ob ich wieder nur frustriert dasitze. Wer mein Selbstversuch-Tagebuch schon länger liest, kennt das Muster: Selten ist es die große Theorie, die Erwachsene beim Musik lernen ausbremst - meistens sind es genau diese kleinen, dummen, praktischen Dinge. Bei mir ist es momentan die Plektrum-Technik. Genauer: die Frage, warum das Ding einfach nicht in meiner Hand bleiben will.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis exakt gleich. Verlinkt ist unter anderem der norberg Gitarrenkurs, mit dem ich mein Projekt gerade durchziehe - warum ausgerechnet dieser Kurs, kommt gleich noch.
Warum rutscht mir das Plektrum ständig aus den Fingern?
Die kurze Antwort zuerst: nicht, weil ich zu schwach zugreife, sondern weil ich es an der falschen Stelle festhalte. Wochenlang habe ich mit dem Faustgriff experimentiert - sah aus, als wollte ich die Gitarre verhauen, nicht spielen. Der Pinzettengriff mit den Fingerspitzen war noch schlimmer, viel zu instabil.
Einmal, aus purer Verzweiflung, weil alle drei Plektren irgendwo im Sofa verschwunden waren, habe ich es sogar mit einer alten Rabattkarte aus dem Bio-Supermarkt versucht. Für alle, die das auch mal testen wollen: lasst es. Eine Rabattkarte hat keinen Sound. Gar keinen. Danach bin ich kurz raus, eine Runde durch Plagwitz, nur um die Hand auszuschütteln und nicht noch mehr Möbel zu verfluchen.
Was mich bei diesem ganzen Projekt kaum stört, ist übrigens der Preis. Meine Gitarre lernen Kosten im Selbstversuch waren überschaubarer, als ich erwartet hatte - ein tauber Daumen und ein verschwundenes Plektrum standen in keiner Kalkulation.
Meine Laufpartnerin Heidrun, die mir eigentlich nie einen Ratschlag gibt, sondern immer nur die richtige Frage stellt, hat neulich bloß gefragt: "Und warum hältst du das Ding eigentlich so verkrampft?" Mehr nicht. Aber die Frage saß.
Was wirklich hilft, ist die Stelle, nicht die Kraft. Das Plektrum gehört auf die Seite des ersten Zeigefinger-Glieds, nicht in die Fingerspitzen. Der Daumen legt sich flach oben drauf, nicht mit der Spitze. Sobald diese Stelle stimmt, hört das Wegdrehen fast von allein auf.

Kraft ist nicht das Problem - der Winkel ist es
Genau diesen Dreh - Position statt Druck - habe ich über den norberg Gitarrenkurs gelernt, den ich für mein Projekt nutze. Das Konzept dahinter ist simpel: in vier Wochen zum ersten gespielten Lied, ohne Vorwissen, ohne Musiktheorie-Vorlesung vorher. Solche Alltagshilfen suche ich - keine akademischen Erklärungen.
Wer genauer wissen will, wie ich zu diesem Kurs gekommen bin und was ich sonst noch davon halte, findet das in meiner ehrliche Norberg Gitarrenkurs Bewertung. Hier nur so viel: kein Abo, einmal kaufen, im eigenen Tempo lernen - das kam meinem Sturkopf ziemlich entgegen.
Neulich habe ich einen C-Akkord gegriffen, bevor ich überhaupt nachgedacht habe - reiner Reflex, ohne auf die Finger zu schauen. Das Plektrum blieb einfach, wo es sollte, obwohl ich in dem Moment gar nicht ans Halten gedacht habe. Genau das ist der Unterschied zwischen Krampf und Gewohnheit.
Wie man von einem Akkord zum nächsten wechselt, ist übrigens ein eigenes Thema für sich - dazu schreibe ich woanders ausführlicher. Hier soll es nur ums Festhalten gehen, nicht ums Wechseln.

Anfänger-Tipps gegen schwitzige Hände
Was in keiner Anleitung steht: Was, wenn die Hände einfach dauerhaft feucht sind? Bei mir reicht pure Konzentration, damit die Handfläche anfängt zu schwitzen. Sobald sich zwischen Daumen und Plastik ein Schmierfilm bildet, ist jeder ordentliche Griff hinfällig - egal wie gut die Position sitzt.
Zwei Dinge helfen mir zuverlässig: kurz abtrocknen, bevor ich anfange, und ein Taschentuch griffbereit halten, wenn's schlimmer wird. Kein Wundermittel, aber es reicht meistens, um die Grifffläche trocken genug zu halten.
Der Textur-Trick, den ich mir selbst gebastelt habe
Den eigentlichen Unterschied brachte etwas aus meinem Grafik-Alltag: Textur. Mit einem Teppichmesser habe ich vorsichtig kleine Kreuze in die Grifffläche eines alten Plektrums geritzt. Sieht aus, als hätte eine Katze daran herumgekaut - aber der Grip ist seitdem konstant, auch wenn die Handfläche mal schwitzt.
Es gibt fertige Plektren mit Sandpapier-Beschichtung oder aus griffigerem Nylon, klar. Aber das selbstgeritzte Ding fühlt sich inzwischen wie meins an, nicht wie ein Zubehörteil aus dem Laden. Wenn ich jetzt meinen Gitarre Rhythmus übe, fliegt das Ding nicht mehr im hohen Bogen durchs Zimmer.
Was bei mir dagegen nie funktioniert hat: mir jeden Tag stur dreißig Minuten im Kalender zu blocken. Nach einer Woche habe ich den Termin einfach weggeklickt, ohne noch mal hinzusehen. Ein verlässliches Griffgefühl kam nicht durch Kalendereinträge, sondern durch dieses eine kleine, selbst bearbeitete Werkzeug. Ob man dranbleibt oder nach der ersten Ausrede hinschmeißt, ist ohnehin eine andere Geschichte, die ich woanders ausführlicher aufschreibe.

Achims Frage: Macht ein teureres Plektrum wirklich einen Unterschied?
Achim, der seit meinem allerersten Forumspost fast unter jedem Beitrag auftaucht und der, obwohl er selbst noch nicht lange spielt, schon überraschend viele Akkorde kennt, hat neulich in den Kommentaren genau das gefragt: ob ein teureres Plektrum das Rutschproblem einfach lösen würde.
Meine Antwort: nicht direkt. Ein 0,71 mm Plektrum aus Celluloid fühlt sich gut an - leicht rau, angenehm zwischen den Fingern -, aber das behebt das Grundproblem nicht, wenn Stelle und Winkel nicht stimmen. Erst Griff und Position, dann kann besseres Material den Rest verbessern.
Bevor ich überhaupt ans Plektrum denke, lege ich beim Stimmen manchmal fast das Ohr an die Zarge, um in der stillen Wohnung jede kleine Schwebung zwischen den Saiten zu hören. Diese Aufmerksamkeit fürs Detail hilft am Ende auch beim Griff - beides ist Übungssache, kein Talent.
Falls du auch gerade mit einem rutschigen Stück Plastik kämpfst: Es liegt nicht an deinen Fingern. Es liegt an der Stelle, an der du zugreifst - und daran, ob du aus Verzweiflung drückst statt einfach zu halten. Schau dir bei Interesse gern den norberg Gitarrenkurs an, über den ich genau diesen Dreh gelernt habe. Und wenn gar nichts hilft: ritz ein paar Kreuze rein. Klingt komisch, funktioniert aber.