
Was machst du, wenn eine Fähigkeit sich einfach weigert, besser zu werden, obwohl du jeden Tag genauso übst wie zuvor? Ich sitze hier mit meiner Westerngitarre und finde keine Antwort, nur einen stumpfen Akkord, der sich keinen Millimeter weiter anhört als gestern. Beim Gitarre lernen nennt man das ein Plateau, und ich stecke mittendrin.
Bevor es weitergeht, schnell der Pflichthinweis: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich einen Cent mehr kostet. Ich schreibe hier nur über Sachen, die ich in meinem eigenen Übungsprojekt tatsächlich ausprobiert habe.
Die ersten Tage mit dieser Gitarre liefen wie im Rausch. Akkorde kamen, als hätte ich nie etwas anderes gemacht, und ich war kurz davor, mich selbst für ein Naturtalent zu halten. Jetzt bin ich an dem Punkt, wo NICHTS mehr vorangeht, so sehr ich auch dranbleibe. Genau hier beginnt der eigentlich interessante Teil: nicht die Frage, OB man weiterkommt, sondern WIE.
Zwei Wege aus dem Plateau beim Gitarre lernen
Es gibt im Wesentlichen zwei Reaktionen auf so einen Stillstand. Die eine: schneller werden, mehr ausprobieren, neuen Stoff reinwerfen, bis sich irgendwas bewegt. Die andere: langsamer werden, zurück zu dem, was schon sitzt, und von da aus neu aufbauen. Beide Varianten habe ich halt durchexerziert, und sie fühlten sich komplett unterschiedlich an.
Ich wollte einfach weiter – und bin gegen die Wand gelaufen
Variante eins habe ich zuerst versucht. Irgendwann hatte ich mal ein YouTube-Tutorial-Abo abgeschlossen, mit großen Versprechen über schnelle Fortschritte. Nach vier Videos habe ich nicht mal mehr draufgeklickt. Die Lektionen sprangen zwischen Themen, ohne dass davon irgendwas in meinen Fingern landete. Genauso lief es jetzt wieder: Ich habe mir komplizierte Fingerpicking-Muster angeschaut, die mit meinem eigentlichen Song nichts zu tun hatten, und am Ende hatte ich nur einen Handkrampf und keinen Zentimeter Fortschritt. Mein Designer-Ego, das sonst jedes Problem irgendwie löst, stand plötzlich komplett blöd da.

Langsamer werden, nicht aufgeben
Was bei mir am Ende funktioniert hat, war Variante zwei: zurück zu Schritt eins. Der norberg Gitarrenkurs baut genau darauf auf, kleine Einheiten in einer festen Reihenfolge, nichts wird übersprungen, egal wie ungeduldig man ist. Gegen die eigene Ungeduld hilft am Ende kein Kurs der Welt, aber ein guter Kurs hilft wenigstens dabei, nicht blind irgendwohin zu rennen. Der norberg Kurs ist schon eine Weile am Markt, nicht weil er besonders glänzt, sondern weil die Reihenfolge der Übungen einfach funktioniert.
Dabei merke ich inzwischen etwas, das mir anfangs gar nicht aufgefallen ist: Wenn ich über die Saiten gleite, gibt es diese kleine, harte Stelle direkt am Zeigefinger, die sich schon lange nicht mehr neu anfühlt. Keine Ahnung, wann genau sie sich eingeschlichen hat. Die Hornhaut bildet sich eben mit der Zeit, aber brennen tut es an schlechten Tagen trotzdem noch.

Mein Nachbar Armin hat mich neulich auf dem Flur gefragt, wie viele Anläufe das jetzt eigentlich sind. Noch bevor ich überhaupt antworten konnte, hat er seine eigene Frage schon wieder eingefangen: "Also, ich zähl da nicht mit, ist ja dein Ding." So redet er eigentlich immer. Er wohnt seit Jahren Tür an Tür und hat über die Wand schon einiges von meinen früheren Versuchen mitgekriegt, also hat die Frage durchaus Gewicht.
Einen Kopf freikriegen hilft an solchen Tagen besser als weiterzuüben. Ich drehe eine Runde am Karl-Heine-Kanal, und irgendwo zwischen den ersten Metern fällt mir auf, dass mein Handgelenk schon wieder verkrampft ist, einfach vom Sitzen und vom Pressen der Saiten, nicht nur von der Gitarre selbst. Deshalb gibt es an solchen Tagen nur die reinen Haltungsübungen, ohne neue Griffe, ohne Druck. Das hilft nebenbei auch gegen die Rückenschmerzen, die man als Schreibtischmensch sowieso schon mitbringt.
Zurück am Übungsplatz nehme ich mir nur einzelne Takte vor, ganz langsam, so langsam, dass es fast albern wirkt. Beim Greifen rutscht mein Finger über die Wicklung der G-Saite, und das metallische Quietschen dabei nervt mich jedes Mal neu, aber es zeigt wenigstens, dass sich etwas bewegt und nicht nur in meinem Kopf. Ich habe das Metronom wieder rausgeholt, obwohl ich es hasse. Es lügt nicht. Mein Kampf mit dem Taktgefühl gehört wohl einfach dazu, wenn man von so einem Plateau runterwill.

Woran erkennst du, welches Problem du wirklich hast?
Der Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt nicht in der Technik, sondern in der Diagnose. Wenn die Finger einfach müde sind, der Kopf aber eigentlich noch will, bringt neuer Stoff nichts. Da hilft nur runter mit dem Tempo und zurück zu dem, was schon sitzt. Wenn dagegen die Lust der Engpass ist und nicht das Können, kann frischer Input genau der Schub sein, der einen über die Stelle trägt. Das Problem ist nur: Beides fühlt sich von innen fast identisch an, nämlich wie Frust.
Die Antwort, die am Ende zählt
Also: Wähle Variante zwei, wenn deine Finger oder dein Kopf einfach erschöpft sind, zurück zu den Basics, Tempo raus, kein neuer Stoff. Wähle Variante eins nur, wenn du ehrlich spürst, dass dir die Lust fehlt und nicht die Fertigkeit, und dann am besten mit etwas, das zum eigentlichen Ziel passt, nicht mit irgendeinem zufälligen YouTube-Video. Für mich war am Schluss die Mischung aus beidem die Lösung, auch wenn Variante zwei den größeren Anteil hatte. Falls du gerade selbst feststeckst und jemanden brauchst, der dich an die Hand nimmt: Hier geht's zum Kurs, der mich gerade durchs Plateau trägt.
Ich geh jetzt wieder üben. Nur ein paar Minuten, ganz ohne Erwartung an mich selbst.