
Meine linke Zeigefingerkuppe hat jetzt einen kleinen, harten Halbmond. Vor einem Monat war da nur normale Haut, die schon nach ein paar Minuten Grifferei brannte, als würde ich dünnen Draht mit bloßen Fingern biegen. Gitarre lernen mit 38, mitten im Alltag zwischen Kundenterminen und Wäscheberg, macht offenbar genau das: aus glatten Grafikerinnen-Fingern werden in ein paar Wochen kleine Baustellenhände.
Kurzer Stopp, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Bucht ihr darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, für euch ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe hier nur über Sachen, die ich in den letzten vier Wochen wirklich selbst ausprobiert habe – kein Kurs, den ich nur vom Hörensagen kenne.
Der Pakt: warum ich das dieses Mal öffentlich mache
Vier Wochen, ein Song, komplett öffentlich – das war die Ansage an mich selbst. Warum öffentlich? Weil ich sonst die feige Socke bin, die nach drei Tagen wieder aufhört, sobald die Finger zwicken. Genau das ist mir schon dreimal passiert, jedes Mal mit riesiger Anfangs-Euphorie und dann: nichts mehr. Stress, Kundentermine, Wäscheberg – die üblichen Ausreden eben.
Mein Nachbar Armin hat von den ersten beiden Anläufen schon genug durch die Wand gehört. Diesmal soll er nicht wieder nur Stille hören, sobald der erste Akkord schief klingt. Der Pakt: vier Wochen, ein Song – aber einer, den man erkennt, ohne dass ich vorher den Titel verrate.

Mein Selbstversuch in Zahlen: wie viele Stunden brauche ich wirklich?
Eine Stunde am Tag, vier Wochen lang, ergibt 28 Stunden reine Übungszeit. Klingt nach viel, ist aber weniger als ein einziges Grafikprojekt mit hundert Seiten Brand-Guide. Wenn ich sowas hinkriege, dachte ich mir, kriege ich auch meinen kleinen Finger zwei Zentimeter nach links, ohne gleich loszuheulen.
Wie viel mich der Kurs gekostet hat, verrate ich hier nicht im Detail – sagen wir, es lag ungefähr im Bereich meiner Café-Ausgaben über einen Monat. Fair für den Traum, am Lagerfeuer nicht nur diejenige zu sein, die den Wein hält. Wer nachrechnen will, ob sich das Ganze finanziell überhaupt lohnt, findet mehr dazu in meinem Bericht über die Gitarre lernen Kosten.
Mein Ziel bleibt bescheiden und trotzdem ein Mount Everest: vier Akkorde – G, D, Em, C – für einen Song. Theoretisch deckt das 80 Prozent der Popgeschichte ab. Praktisch fühlt sich mein kleiner Finger noch an wie ein Ersatzteil aus einem völlig anderen Baukasten.
Warum ich mich für den norberg-Kurs entschieden habe
Struktur war das, was mir gefehlt hat. Einen Gitarren-YouTube-Kanal hatte ich abonniert, aber nach vier Videos war Schluss – zwischen „super easy für Anfänger" und einem Fingerpicking-Solo lag plötzlich keine Stufe mehr, nur ein Sprung ins Nichts. Ich habe mich für den norberg Gitarrenkurs entschieden, weil das Versprechen klar war: in vier Wochen zum ersten Song, ohne endlose Tonleiter-Pflicht davor.
Schnickschnack gibt es dabei keinen – keine Community, in der man sich ständig mit „Kevin123" vergleicht, der angeblich nach zwei Tagen schon Hendrix nachspielt. Nur ich, die Videos und meine schmerzenden Finger. Wer lieber die lockere YouTube-Atmosphäre mag, ist beim Michigit Gitarrenkurs vermutlich besser aufgehoben – für meinen stur-fokussierten Kopf war norberg genau richtig.
Üben, wenn eigentlich keine Zeit dafür ist
Der eigentliche Knackpunkt, warum frühere Versuche gescheitert sind: ich pendle viel, oft stundenlang zu Kundenterminen. Die meisten Anfänger-Tipps sagen, man solle sich einen ruhigen Ort suchen und in aller Ruhe üben. Klar, um 22 Uhr, wenn mein Kopf nur noch Brei ist?
Diesmal habe ich die Pendelzeit anders genutzt. Keine Gitarre im Zug, aber Akkorddiagramme im Kopf durchgegangen, Fingerfolgen auf dem Oberschenkel getippt, Rhythmen im Ohr wiederholt. Klingt nerdig, hilft aber gegen die Erschöpfung nach Feierabend. Sitze ich dann zu Hause vor der echten Gitarre, weiß mein Kopf schon Bescheid – nur die Finger müssen noch mitziehen.
Ab und zu drehe ich abends noch eine Runde durch Plagwitz, bevor ich nach Hause komme, und übe dabei im Kopf den Wechsel zwischen zwei Akkorden – wie eine Choreografie ohne Musik dazu.
Die Woche, in der die Finger streiken
Schmerzen: Darum kommt man in der ersten Woche nicht herum. Ich wollte wirklich abbrechen. Dieser scharfe, stechende Druck im linken Zeigefinger nach vierzig Minuten Saiten-runterdrücken ist kein Spaß, eher, als würde man Rasierklingen streicheln.
Nach ein paar Tagen wird die Haut an der Stelle einfach fester, mehr gibt es dazu von meiner Seite nicht zu sagen. Kleiner Sieg, mehr aber auch nicht.
Der Wechsel von G zu D war der Moment, an dem mein Körper komplett gestreikt hat. Schulter hochgezogen, Luft angehalten wie vor dem Abtauchen, Hand komplett verkrampft. Beim hastigen Umgreifen rutscht mein Finger über die Wicklung der G-Saite, und es macht dieses hauchdünne, metallische Fiepen, das sich anhört, als würde die Saite sich persönlich bei mir beschweren. Ich saß da, starrte meine Finger an und dachte: Vielleicht sind Grafikerinnen einfach nicht für Musik mit den Händen gemacht.
Gitarre weggelegt, Glas Wein geholt. Frust gehört halt dazu.
Woche vier: der Moment, in dem der Reflex kam
Erst in der vierten Woche kam der Moment, auf den ich die ganze Zeit gewartet hatte. Kein großes Aha-Erlebnis im Kopf, sondern einfach in der Hand: Ich griff den C-Akkord, bevor ich überhaupt nachgedacht hatte, als hätten meine Finger beschlossen, das ab jetzt allein zu regeln. Nur ein paar Takte lang, aber es fühlte sich anders an als vorher – weniger wie Arbeit, mehr wie ein Reflex, der einfach schon da war.
Was mich in den Wochen davor über Wasser gehalten hat, war eigentlich nur der Pakt mit mir selbst, wie man dranbleibt, wenn die Lust komplett weg ist, ist sowieso ein eigenes Thema für sich.
Wer beim Rhythmus-Halten ähnliche Probleme hat wie ich am Anfang, dem hilft vielleicht dieser Guide: Gitarre Rhythmus üben: Tipps für Anfänger.

Der Plan über die vier Wochen war hart, gerade mit Pendelei und Job nebenher. Aber die Struktur des Kurses hat mich echt gerettet – hätte ich wahllos Tutorials geschaut, wäre ich vermutlich wieder an dem Punkt, an dem die Gitarre nur noch Staub sammelt. Mehr Details dazu gibt's in meiner Norberg Gitarrenkurs Bewertung, falls ihr tiefer einsteigen wollt.
Vier Wochen später: was wirklich hängen geblieben ist
Rockstar bin ich nach diesen 28 Tagen keine, das nur nebenbei. Aber ich bin jetzt jemand, der Gitarre spielt, nicht nur jemand, der es gerne könnte. Einen Song komplett durchspielen, ohne dass die Nachbarn die Polizei rufen – das habe ich geschafft.
Armin hat's auch gehört und meinte nur, kurz durch die offene Tür: „Klingt doch schon nach was." Kein Fachurteil, aber genau das, was ich in dem Moment brauchte.
Jetzt tauche ich erst mal meine Finger in kaltes Wasser, für heute reicht's. Morgen kommt der Song nochmal dran, dieses Mal vielleicht sogar mit geschlossenen Augen – oder ich vergreife mich komplett und fange nochmal von vorne an, wer weiß das schon. Wenn du diesen Funken auch spürst: Der Kurs von Norberg war für mich der Tritt in den Hintern, den ich gebraucht habe. Wir sehen uns am Lagerfeuer.